Dienstag, 8. April 2008

Marokko - Ostküste



Unter Seglern ist es üblich, sich gegenseitig Geschichten zu "vertellen" - wahre und erfundene, selbst erlebte und von Dritten weitergegebene.
So haben auch wir versucht, möglichst viel über das zu erfahren, was in Marokko wohl auf uns zukommen würde.
Natürlich konnte (fast) jeder etwas beitragen, nur meist lagen diese "Erlebnisberichte" mindestens zwanzig Jahre zurück oder da hatte jemand etwas gehört von einem Freund, der jemanden kennt, der schon in Westmarokko war.
Alle diese Berichte hatten etwas gemeinsam: "...geht nicht dort hin, es ist gefährlich!!!" !
Und eben dieses Marokko der Atlantikküste interessierte uns; der am Mittelmeer gelegene, nördliche Teil liegt nicht auf unserem Kurs und ist auch deutlich europäisch geprägt, beispielsweise Tanger und die Enklave "Ceuta".
Also schwupps -selbst ausprobiert und wieder 48 Stunden = 240 Seemeilen weiter nordwärts gegangen von der nördlichsten Kanareninsel direkt Kurs angelegt nach Essouria.
Hier sind wir nun seit einigen Tagen, wir haben garnicht wirklich damit gerechnet, aus dieser Region einen Internetbericht an unsere lieben Verwandten, Freunde und Leser senden zu können, aber auch die Fischer hier lesen das Wetter nicht mehr am Horizont ab, sondern bedienen sich der Möglichkeiten des Internets.
Dennoch nehmen wir die Menschen und die Stadt ein wenig wie aus "Tausendundeinernacht" in uns auf.
Beim Betreten der Kasbah kommen uns Händler freundlich entgegen, um uns auf ihre Verkaufsstände hinzuweisen - nie wird jemand wirklich aufdringlich. Französisch zu sprechen ist allerdings ein Muss!
Die Gegensätze könnten ausgeprägter nicht sein: In der Medina laufen tief verhüllte Frauen im Gefolge ihrer Ehemänner - am anderen Ende der Stadtmauer werden Cola und Pringels zusammen mit Internet und Copyshop von europäisch gestylten Damen angeboten. Kinder arbeiten, anstatt zu spielen oder zur Schule zu gehen.
Es ist eine fremdartige Welt, der wir durch den Versuch des Vergleichens nicht gerecht werden würden.
Obgleich wir das einzige Segelboot hier im Hafen sind, unter hunderten von Fischerbooten, mangelt es nicht an Touristen, die z.B. als Backpacker unterwegs sind, denn auch Jimmy Hendrix und andere Rockmusik-Stars sollen schon hier gewesen sein.